Systematische Kälteexposition

Während meine Freunde bei unserem gemütlichen Grillabend an der Isar noch darüber debattieren, ob nun „vegan“ besser ist oder doch eher „low carb“, klinke ich mich aus der Diskussion aus, ziehe die Badehose an und tauche ab! Wir haben Oktober. Für die meisten sind fließende natürliche Gewässer dann nur noch zum Angucken da. Für mich dagegen: der lang ersehnte Beginn der Eisbade-Saison.

Natürlich gab es nie zuvor vielfältigere Möglichkeiten etwas für die eigene Gesundheit zu tun als heute. Erstmal einen Überblick verschaffen! Beginne ich mit einer neuen Sportart? Wie genau stelle ich meine Ernährung um, so dass ich nicht irgendwann doch wieder mit Heißhungerattacken zu kämpfen habe?

Meine bevorzugte Variante: zwischen Oktober und April am frühen Morgen in natürlichen Gewässern auf der Nordhalbkugel eine Runde baden gehen. Ich würde mich gar nicht erst mit Diskussionen aufhalten, welche der 100 Ernährungsformen langfristig die beste ist. Das Stück Sahnetorte nach dem Eisbad schmeckt hervorragend und die „schlechten“ Kalorien werden in den Mitochondrien nur so verfeuert. Mein Körper ist ziemlich busy beim Wieder-Aufwärmen. Klar geht’s langfristig noch besser, wenn ich sogar noch den Kuchen weglasse, aber wir müssen es ja nicht gleich übertreiben!

Als experimentierfreudiger Gesundheitsfan und Outdoor-Enthusiast musste ich früher oder später mit der „Kälte“ in Berührung kommen. Während ich die Wärme schon immer eher mit Siesta und Kokosnuss gleichsetzte, gab es bei der Kälte eine ganz neue Welt voller Energie zu entdecken.

Du kannst die Kälte natürlich auch mit Wärme kombinieren (Stichwort Sauna). Mit der Kälte-Wärme-Kombination erreichst du langfristig eine maximale körperliche Anpassungsfähigkeit. Vom Abhärten hast du sicherlich schon etwas gehört?

Doch was genau passiert denn sonst noch in deinem Körper und mit deinem Geist, wenn du bei 5 Grad gemütlich im See planscht?

Eine ganze Menge, denn du bist zum Beispiel

  • voll im Flow: dein Blut kommt in Schwung. Schon Sebastian Kneipp wußte: kaltes Wasser regt die Durchblutung an, weil sich das Blut zu Beginn ins Körperinnere (in die lebenswichtigen Organe) zurückzieht und sich nach Ende der Kältewirkung wieder im gesamten Körper verteilt. Was die Durchblutung noch mehr pusht sind Wechselduschen. Denn die sind pures Venentraining. Krampfadern goodbye!

  • Sag Entzündungen den Kampf an: Unsere heutige nicht-artgerechte Lebensweise führt nicht nur zu vielen offensichtliche Entzündungsreaktionen. Viel trügerischer ist die chronische „Low-grade-inflammation“. Die sind immer latent vorhanden und das Immunsystem kämpft non-stop dagegen an. Kann später viele Folgeerkrankungen auslösen. Entzündungen erzeugen Wärme. Kälte ist der perfekte Gegenspieler. Sprichst du besonders gut auf die Kältetherapie an, lag das vielleicht daran, dass du bisher mit diesen niedriggradigen Entzündungen zu tun hattest, ohne es zu wissen.

  • Ein Immunsystem wie ein Eskimo: Und die sind bekanntlich nie krank und das obwohl sie sich nur von Robbenfett ernähren. Das dürfte an dieser berühmt-berüchtigten Abhärtung liegen: Je mehr Stressoren du deinen Körper aussetzt, desto flexibler und unempfindlicher wird er auch gegenüber anderen Stressoren. Das ist im Endeffekt das gleiche Prinzip wie bei der Superkompensation beim Sporttraining. Kälteexposition kurbelt zudem die Produktion der Leukozyten an.

  • Haut wie ein Baby, Haare wie ein Model: Vor allem für Frauen interessant: warmes Wasser trocknet irgendwann auch die schönste Haut aus und verstärkt bei Haaren den „Spliss“. Das alles passiert mit kaltem Wasser nicht.

  • Purer Stoffwechsel-TurboKälte kurbelt die Bildung des metabolisch sehr aktiven braunen Fettes an. Und das verbrennt – einfach so zum Spaß – am liebsten das weiße Fett an Hüften und Bauch. Es wandelt Energie in Körperwärme um. So ähnlich wie beim Muskelzittern. Wen es interessiert, diese Prozesse nennen sich auch adaptive Thermogenese. Das Allerbeste: Du musst für einen Extraverbrauch von 500 Kalorien keine Stunde lang walken. Dafür reichen auch ein paar Minuten Kälteexposition. Denn der Körper ist noch lange nach dem Eisbad mit dem kurzen Temperaturschock beschäftigt. Gönn Dir ruhig ein Stück Sahnetorte extra. Gerade bei Menschen, die mit Gewichtsproblemen und deren Folgen zu kämpfen haben, kann eine Kältetherapie eine stark positive Wirkung beispielsweise auf Insulinsensitivität und Blutfette haben.

  • Entspann die Muckies: Man kennt sie. Die Profisportler, die nach dem Sieg gemeinsam in der Eistonne sitzen und feiern. Nettes Bild. Hat aber einen ganz einfachen realen Grund: Die Regeneration wird beschleunigt. Warum? Na ganz einfach deshalb, weil Laktat und andere Stoffwechselendprodukte durch den beschleunigten Blutfluss schneller von den Muskeln zu Leber und Niere transportiert werden. Dort können sie schneller abgebaut werden.

  • Schmerztherapie pur: Eine Sportverletzung hattest du bestimmt schon mal? Ganz blöd umgeknickt! Und dann? Na klar, Eispacks auf die Schwellung. Die Kälte lindert den Schmerz. Hoffentlich hast du keine akuten Schmerzen, aber mit einer kalten Dusche kannst du auch hier wunderbare Effekte erzielen.

Schön und gut. Ich soll also kalt duschen, weils so gesund ist für den Körper? Ach ich glaub da nehm ich lieber ne Tablette extra von meinem Multivitaminpräparat. Dann kann ich morgens ne halbe Stunde länger lieben bleiben und muss mich nicht so quälen.

Bullshit! Jetzt kommen wir zum entscheidenden Punkt! Es geht nämlich in erster Linie gar nicht um die körperliche Gesundheit. Das ist alles ganz nett, aber du brauchst die Kälte vor allem für den Kopf. Wenn du also morgens den Wasserhahn nach ganz rechts drehst, dann tust du das vor allem deshalb, um einmal

  • voll im Moment zu sein: In unserer Welt prasseln die Informationen von allen Seiten nur so auf uns ein. Egal, ob im Berufs- oder Privatleben. Auf das nervige Meeting folgt das Youtube-Video zur Entspannung. Was gibt es da Schöneres als für wenige Minuten mal Ruhe und Klarheit im Kopf zu haben? Diesen Affen da im Kopf zum Schweigen zu bringen. In dem Moment wo du den ersten Tropfen kalten Wassers am Körper spürst, sind alle anderen Probleme ganz weit weg. Deshalb gehen die Menschen auch in die Berge. Oder beginnen mit Yoga. Wegen dieses „focus shifts“ reichen aber auch 5 Minuten Eisbaden oder Kaltduschen. Wie Meditation. Wie ein Reset Ihrer Gedanken.

  • Winterdepression war gestern: Heuten tanzen die Endorphine! Und wie! Ein Eisbad ist besser als jedes Antidepressivum. Wirkt genauso quasi auf Knopfdruck. Die Produktion von Noradrenalin und Beta-Endorphinen wird stimuliert. Beta-was? Egal, hat auf jedenfall keine Nebenwirkungen. Nur süchtig macht es auch. Kannst du dir bei deinem ersten Eisbad nur kaum vorstellen. Braucht nur etwas Zeit. Wie alle Süchte eben. Aber irgendwann sind sie da, dann quasi über Nacht.

  • Eiserne Willenskraft: So viel vorweg: Ein Eisbad wird immer Überwindung kosten. Doch so trainierst du gleichzeitig deinen „Überwindungsmuskel“. Wenn du schon mit so viel Disziplin in den Tag startest, was kann da noch schief gehen? Falls du dich wieder einmal drückst, vor welchen anderen Herausforderungen drückst du dich sonst noch? Hier liegt vielleicht der Hund begraben: die Kälte kann di dern Weg dazu ebnen, ein bisschen mit der eigenen Komfortzone zu spielen. 

  • Resilienz! Im Vergleich zu den letzten Generation mutieren wir durch immer mehr Komfort zu immer größeren Warmduschern. Die psychische Herausforderung, ein glückliches Leben zu führen, nimmt dagegen eher zu. Hier kommt die Resilienz ins Spiel! Das ist nichts anderes wie deine psychische Widerstandskraft in Bezug auf psychische Krisen. Sich psychisch unangenehmen Situationen wie einem Eisbad auszusetzen, trainiert also genau diese.

  • Stressmanagement: Die größten Probleme dieser Welt schmelzen in der Kälte eines Eisbads nur so dahin, am Ende sind sie lösbare Herausforderungen. Ihr Stresslevel wird deutlich reduziert. Im Anschluss an deine kalte Dusche gehstdu mit völlig neuer Energie und Motivation an dein Tageswerk.

Die größten Benefits bei der Kältetherapie liegen also eher im Bereich Mindset und Pysche. Genau deswegen gehe ich Eisbaden. So habe ich am Morgen schon die erste Herausforderung des Tages gemeistert und meine volle Energie. Am Nachmittag hole ich mir durch ein Eisbad meine Konzentration und ebenfalls meine Energie zurück. Wer braucht schon Kaffee?

Das gesundheitliche Potential ist noch gar nicht richtig erforscht, vor allem im Hinblick auf die Linderung/Heilung von Autoimmunerkrankungen. Gerade bei Krankheiten wie zb. Rheuma, Arthritis und Migräne kann die Kälte (ggf. in Wechselwirkung mit Wärme) ihre volle Wirkung entfalten.

Im ganzen Gesundheitsdschungel gibt es jedenfalls kaum etwas Effektiveres mit so wenig unerwünschten Nebenwirkungen wie eine systematische Kältetherapie. In einer Welt, in der es so häufig nur um Zeit und Geld geht ist das natürlich grandios. Dennoch hat Eisbaden eher etwa Meditatives und diese Welt wird sich Ihnen erst erschließen, wenn du es mit der nötigen Ruhe angehst und sogar noch mit Atemübungen a la Wim Hof kombinierst.

Jeder reagiert unterschiedlich auf Kälte. Für den einen oder anderen Wärmeliebhaber ist es auch einfach nicht das Richtige. Und wenn du Probleme mit dem Herzen has, stolltest du ohnehin darauf verzichten. Ein Arztbesuch vor Beginn einer Kältetherapie ist ohnehin obligat. Gibt dieser grünes Licht, begebe dich auf eine Entdeckungstour im Reich der Kälte und spüre einmal rein. Vielleicht wirst du schon bald vom Rausch der Kälte erfasst.

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